Craniosacrale Pränatalarbeit

"Auf der tiefsten Ebene geschieht Heilung in der Stille."

Franklyn Sills

Der Anfang ist wichtig. Alles, was am Anfang geschieht, hat existentielle Qualität. Die pränatale Arbeit bezieht die Zeitspanne von der Zeugung bis zur Geburt mit ein. Vor noch nicht allzu langer Zeit hat man geglaubt, das Leben beginne mit der Geburt. Man ging davon aus, dass das Baby nichts wahrnimmt, nichts empfindet, nichts spürt, weder Schmerz noch Angst noch sonst etwas. Inzwischen hat man diesen Irrtum erkannt und die Wissenschaft und Medizin stellt sich allmählich diesen neuen Erkenntnissen.

Im tiefenpsychologischen Denken gehen wir davon aus, dass alle Lebenserfahrungen eines Menschen behalten werden und ihm weiterhelfen können. Erfahrungen mit uns selbst, mit unserer Umwelt und mit uns wichtigen Menschen schwingen wie ein Hintergrund in uns. Letztlich sind wir immer alles, was wir schon gelebt und erfahren haben. Dies ist uns mal mehr und mal weniger direkt verfügbar. Die pränatale Lebenszeit ist der Beginn unserer Entwicklung. Sie bildet mit ihrer Erfahrung den Urgrund unseres Daseins.

Oft wissen wir gar nichts über unsere erste Lebensphase im Bauch der Mutter. Diese ersten Prägungen, vor allem traumatische Ereignisse vor, während oder nach der Geburt, können die Lebenskraft beeinträchtigen. In der Craniosacral Therapie können pränatale Muster auftauchen, die spezifische Fertigkeiten in der Behandlung verlangen. Im craniosacralen therapeutischen Rahmen haben wir die Chance, Einblick in unsere erste Geschichte zu erhalten.

Aus therapeutischer Sicht wichtig ist, dass Traumatisierungen in dieser sehr frühen Zeit oft ursächlich für ähnlich gelagerte Probleme im späteren Leben verantwortlich sind. Im Alltag findet somit eine Reinszenierung von sehr frühen Traumatisierungen statt.

Hoffnungsvoll stimmt die Tatsache, dass diese sehr frühen Traumatisierungen in einem geeigneten therapeutischen Setting nicht nur wiedererlebt, sondern neu und in einen positiven Rahmen gefasst werden können, so dass eine echte und ursächliche Problembearbeitung ermöglicht wird.

Meine Diplomarbeit habe ich den pränatalen Prägungen und ihrer Heilung in der Craniosacral Therapie gewidmet. Ich möchte auch in Zukunft für die Thematik der pränatalen Psychologie offen sein und einen bindungsorientierten Therapieansatz verfolgen.

Da wir als Menschen mit unserer Seele nicht statisch sind, sondern unser Leben lang entwicklungsfähig, können auch tief verunsicherte Bindungserfahrungen durch neue korrigiert und seelische Verstörungen, Erkrankungen darüber geheilt werden. Dies braucht Zeit und die Bereitschaft, genügend Zeit und Raum zu geben, um dem ganz eigenen Rhythmus darin folgen zu können.

Dies möchte ich in den Behandlungen, die ich anbiete, umsetzen.

Die pränatale Arbeit kann sowohl bei Babies und Kindern wie auch bei Erwachsenen in die Therapie einfliessen und muss nicht immer benannt werden – sie darf geschehen, auch in der Stille.